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Julia Babilon gewinnt Ladies Open 2009...

Hamm. "Yes!" Mt diesem kurzen, gar nicht so lauten Ausruf machte Julia Babilon gestern ihre Erleichterung deutlich, als sie nach einer guten Stunde Spielzeit Lydia Steinbach geschlagen und damit die 17. Sparkasse Hamm Ladies Open gewonnen hatte. In einem kämpferischen Endspiel errang die 24-Jährige vom TC Moers gegen die Vorjahressiegerin aus Wahlstedt einen 7:5, 6:3-Erfolg.



Alles andere als frisch waren die Finalistinnen in die Begegnung gegangen, denn sie hatten beide am Vormittag bereits jeweils ein enges Halbfinale überstehen müssen. Die 18. der Rangliste des Deutschen Tennisbundes (DTB), Lydia Steinbach, maß sich darin zum wiederholten Male mit Hanna Krampe (THC im VfL Bochum). Die beiden laufstarken Spielerinnen jagten sich in oft langen Ballwechseln gegenseitig an allen Linien über den Platz -- über zweieinhalb Stunden lang. Krampe hielt über weite Strecken mit dem hohen Tempo von Steinbach mit und rettete sich im Tie-Break noch in den dritten Satz. Dennoch musste sie sich mit 3:6, 7:6 und 3:6 geschlagen geben. "Am Ende konnte ich körperlich nicht mehr mithalten", so Krampe. "Gegen Lydia sind es immer knappe Spiele, und in 90 Prozent der Fälle gewinnt sie", fügte die Bochumerin hinzu, ohne zu resignieren. Sie war mit ihrem Gesamtabschneiden beim Turnier zufrieden. Das zweite Halbfinale zwischen der Slowakin Kristina Kucova und Julia Babilon (DTB-Rang 25) war ebenso spannend, spielerisch aber ganz anders geprägt. Die beiden Kontrahentinnen agierten vor allem von der Grundlinie aus und schlugen in meist kurzen Ballwechseln extrem harte, schnelle Bälle. Nachdem der breaklose erste Satz im Tie-Break an Babilon ging, setzte sich Kucova im zweiten Satz zunächst auf 3:0 ab. Doch die 24-Jährige nahm der Slowakin ihrerseits ein Aufschlagspiel ab und erreichte auch im zweiten Satz trotz Muskelproblemen im linken Oberschenkel einen 7:6-Erfolg. "Jetzt muss das Bein nur noch ein Spiel lang halten, dann geh ich feiern und tanz das weg", sagte Babilon lachend und zuversichtlich vor dem Finale. Das linke Bein machte ihr im Endspiel tatsächlich keine Schwierigkeiten, eine Schrecksekunde gab es für sie dennoch. Beim Stand von 2:2 im ersten Satz spielte Steinbach einen Ball gegen ihre Laufrichtung, Babilon verspürte bei der Drehung einen Schlag im rechten Knie. In den vergangenen Jahren hatte die gelernte Veranstaltungskauffrau die Ladies Open mehrfach verletzungsbedingt nicht gespielt, im Vorfeld des diesjährigen Turniers erstmals seit langem kontinuierlich trainiert. Zwischen abgeschlossener Ausbildung und Beginn des "Business Administration"-Studiums sollte noch mindestens eine intensive Tennissaison liegen. Nun schossen Gedanken an Bänderrisse und ähnliche Probleme durch ihren Kopf. Der Physiotherapeut begutachtete das Knie. Aufgeben? "Nicht, so lange ich so serviere", war Babilon entschlossen. Durchzuhalten sollte sich als die richtige Entscheidung herausstellen, den die Moerserin gab kein einziges Aufschlagspiel ab. Auch Steinbach servierte -- zur Überraschung ihrer Gegnerin -- sehr gut, deutlich sicherer und gefährlicher als zuvor gegen Krampe. Doch trotz dieser Stärke und einer enormen Laufleistung Steinbachs gelangen der angeschlagenen Babilon die entscheidenden Breaks und der 7:5, 6:3-Erfolg. "Sie hat den zweiten Satz verdient gewonnen, nachdem sie im ersten mehr Dusel hatte als ich", kommentierte Steinbach den Erfolg ihrer Gegnerin. Babilon selbst freute sich, nach anfänglichen Schwierigkeiten doch noch gut ins Turnier und ins Finale hineingekommen zu sein.

Babilon höchst zufrieden...

"Ich habe schlecht angefangen und mich gut gesteigert", befand sie zusammenfassend. "Ich habe gute Leute geschlagen und das umgesetzt, was ich trainiert habe". Ihr Bein, das sie derzeit nicht durchstrecken kann, geriet dabei schnell in den Hintergrund. In der nächsten Woche schon will die Bundesligistin voraussichtlich in Köln um Preisgeld spielen, bevor sie planmäßig in Kairo ihre internationale Karriere fortsetzt.

Quelle: Westfälischer Anzeiger, Susanne Enz.

"Meine Erwartungen wurden übertroffen..."

Hamm. Vor Turnierbeginn war Günter Darenberg nicht müde geworden, die Klasse des Teilnehmerfelds bei den 17. Ladies Open hervorzuheben. Er selbst hatte die Erwartungen weit hoch geschraubt. "Man kann ja immer nur hoffen, dass die Namen auch das hergeben, was man meint", gestand der Turnierleiter nach dem Finale ein. Auch er sei nicht wirklich sicher gewesen, welches Niveau in der Halle des TuS 59 tatsächlich zu sehen sein würde. "Aber meine Erwartungen wurden noch übertroffen", so Darenberg. Mental und sportlich seien die Spielerinnen bei zwei Begegnungen pro Tag an ihre Leistungsgrenze gegangen. Relativ überrascht war der Hammer von Julia Babilons Erfolg. "Ich hatte mehr Kristina Kucova auf der Rechnung", erinnerte er an seinen Tipp für die Finalpaarung. "Aber es ist natürlich eine freudige Überraschung", fuhr er fort, denn Babilon sei dem Hammer Publikum bestens bekannt. "Julia hat diesmal auch die engen Spiele geholt", lobte der Organisator die Leistung der Bundesligistin und nannte ihren Sieg verdient. Die zweite Überraschung des Turniers war in Darenbergs Augen die Wahlstedterin Katharina Holert, die als einzige Qualifikantin ins Viertelfinale gelangte und dort ihre Partie gegen Babilon verletzungsbedingt im zweiten Satz abbrechen musste. Neben Darenberg zeigte sich auch der erste Vorsitzende des TuS 59, Lothar Hinkelmann, sehr zufrieden mit dem Turnier. "Es hat alles getoppt, was Eintrittsumsatz, und Preisgeld angeht", sagte er. Rund 300 Zuschauer hatte das spannende Finale am Sonntag angelockt, auch die Halbfinalspiele hatten schon über 200 Besucher verfolgt. "Das Turnier war ein super Einstieg in das Jubiläumsjahr zum 150-jährigen Bestehen", war sich Hinkelmann sicher.

Quelle: Westfälischer Anzeiger, Susanne Enz.

Kristina Kucova will in die Top 100...

Hamm. Viele Turniere hat Kristina Kucova in ihren 13 Jahren als Tennisspielerin schon bestritten, darunter auch zahlreiche internationale Wettbewerbe. Doch die Ladies Open stellten trotzdem eine Premiere für die aufstrebende Slowakin dar: Nie zuvor hatte sie auf Teppich um ein Preisgeld gespielt, denn in ihrer Heimat ist dieser Belag unüblich. Offenbar unbeeindruckt vom ungewohnten Untergrund gab die 19-Jährige dennoch bis zum Viertelfinale keinen einzigen Satz ab, und verlor bis dahin insgesamt nur sechs Spiele. "Ich arbeite hart an mir und will in diesem Jahr unter die ersten 100 der Weltrangliste kommen", beschrieb Kucova ihre ehrgeizigen Ziele -- derzeit belegt sie Platz 192 der Liste. Als ihre stärksten Waffen auf dem Platz betrachtet sie ihre Vorhand, die sie ebenso wie die Rückhand oft beidhändig spielt, und den Willen, jeden Ball zu erreichen. Im Turnier zeigte sie sich zudem als sehr konzentrierte, immer ruhig bleibende Spielerin. In die Hammer Ladies Open stieg die Slowakin vor allem als wichtige Übung und Testlauf unter harten Bedingungen ein. Nach einem frühen Aus bei der Qualifikation zu den Australian Open im Januar und einer Verletzung des linken Handgelenks fehlte ihr Spielpraxis. "Hier sind ziemlich viele gute Spielerinnen", befand Kucova das Hammer Turnier als gut geeignet zur intensiven Vorbereitung. Denn als nächste Station stehen die heute beginnenden Biberach Open auf ihrem Programm, wo die Slowakin wieder im Hauptfeld steht und um 50 000 US-Dollar Preisgeld kämpft. In Hamm musste Kucova sich allerdings schließlich mit einer deutlich geringeren Summe zufrieden geben: Nach ihrer 6:7, 6:7-Niederlage im Halbfinale gegen die spätere Turniersiegerin Julia Babilon nahm sie als eine von zwei Drittplatzierten 380 Euro mit.

Quelle: Westfälischer Anzeiger, Susanne Enz.

Interessante Gäste: Das dritte Sportgerät...

Hamm. Hochrangige Spierlinnen jagen in der Tennishalle des TuS 59 über die Plätze. Sabine Ellerbrock, die das Turnier von der Tribüne aus verfolgt, hat einige von ihnen noch als Gegnerinnen kennengelernt. Oberliga, Regionalliga, kurz sogar Bundesliga -- in diesen Klassen hat die 33-Jährige selbst mitgespielt. Doch als im September 2007 ein Fehler bei einer Routineoperation passierte, versteifte sich ihr Fußgelenk, und mit dem Tennis war es für sie vorbei -- zunächst. Denn seit Anfang des Jahres steht die Bielefelderin wieder auf dem Platz und gewöhnt sich, wie sie sagt, an "das dritte Sportgerät" neben Ball und Schläger: den Rollstuhl. Ebenso wie die querschnittgelähmte Claudia Fornefeld aus Haltern hat Ellerbrock sich den Sport, den sie sie 25 Jahre lang leistungsorientiert betrieben hat, nicht nehmen lassen. "Man improvisiert viel", sagt die Bielefelderin über den Sport im Spezialrollstuhl, "denn man steht relativ oft schlecht zum Ball". So flexibel wie als Fußgängerin kann sie nicht mehr auf einen Schlag reagieren, der Ball darf deshalb vor dem Schlag zweimal aufspringen. "Aber ich wundere mich selbst manchmal, welche Geschwindigkeit man spielen kann", so Ellerbrock. Schlechte Aufschläge bekäme man genauso "um die Ohren gehauen", wie bei den Fußgängern, bestätigt die 50-jährige Fornefeld. Auf lahme Ballwechsel hätten die beiden auch gar keine Lust, denn sie wollen sich nach wie vor mit anderen messen, etwa im März bei den Bavarian Indoor Open in Nürnberg. Einen regelmäßigen Ligenbetrieb für Rollstuhlfahrer gibt es in Deutschland nicht, und auch Trainingsmöglichkeiten sind nicht immer leicht zu finden. Ellerbrock und Fornefeld nehmen dafür die Anfahrt nach Waltrop in Kauf, wo Herren- und Jugendbundestrainer Christoph Kellermann sie anleitet. Bei den Tennisanlagen müssten sie oft noch diskutieren, weil manche Betreiber Angst hätten, dass der Belag beschädigt werden könnte, so Ellerbrock. "Aber wenn man mit den Grand-Slam-Turnieren argumentiert, klappt es meistens." Bei den vier Wettkämpfen werden auch Rolliturniere auf demselben Boden ausgetragen.

Quelle: Westfälischer Anzeiger, Susanne Enz.
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